In offensichtlich weiser Voraussicht habe ich letztes Jahr Teegeschirr und dosenweise Tee aus China mitgebracht. Das Land hat mich so in seinen Bann gezogen und ich wäre zu gerne wieder dort. Aber im Moment begnüge ich mich wohl lieber mit einer kleinen Teezeremonie. Aufgießen, dem plätschernden Geräusch des Wassers lauschen, den Duft einatmen, einschenken, kurz innehalten, Augen schließen, trinken. Nächster Aufguss…

Meike Pfister

Ein ewiger Kampf der Elemente…Vor zwei Jahren haben wir Schottland bereist. Das Land der Spey und der Highlands, der Lochs und Inseln. Hier ändert sich das Wetter ständig. Eben noch Sonne und im nächsten Moment treibt ein starker Wind einen Regensturm heran. Mit unserem alten Bus sind wir mit Rückenwind die Straßen rund um den Ben Nevis „heraufgesegelt“ und mussten bei Gegenwind, selbst bergab, Gas geben. Ein raues Land mit einer grandiosen Natur. Flüsse, an denen die berühmtesten Whiskydestillerien der Welt stehen, sind genauso ein Symbol für das Land wie die alten Burgen an den geheimnisvollen Lochs. Hier spürt man noch die Seele von William Wallace, genannt Braveheart.

Tobias Lippold und Kristin Seidenzahl

Es sind ja nicht nur die langen und weiten Reisen, die Erholung gewähren. Es sind doch eher die kleinen Fluchten, die Tagesausflüge am Wochenende, die uns Kraft für die kommende Woche geben.
Beginnend mit dem Mandelblütenfest im März findet in der Pfalz fast an jedem Wochenende in irgend einem Ort ein Weinfest statt. Trotz vieler, vieler Menschen ist da meist noch ein Platz am Tisch frei. Notfalls rücken die Leut halt zusammen und mit der Frage: „Wo kummscht’n du här, hä?“ ist man dann auch gleich schnell im Gespräch. Dazu ne Rieslingschorle und e Woiknorze. Ein schöner Tag kann als gesichert gelten!
Beginnend mit dem Mandelblütenfest im März ist das aber leider alles abgesagt. Keine Weinfeste, kein Zusammenrücken und Weinschorle nur Zuhause im Kreis der Liebsten. Gedanklich war ich aber schon auf vielen Festen!

Gunther Kollmuß

„Mi Casa es tu Casa“. Seit Stunden schon sitze ich unter der kubanischen Vormittagssonne, habe bereits mehrere Brandblasen an den Fingern und ein Ende ist noch immer nicht abzusehen. Die Kakaosamen, die wir, nachdem sie die letzten Tage in der Sonne getrocknet und fermentiert worden waren, heute schon in den frühen Morgenstunden begonnen hatten zu rösten, müssen in noch heißem Zustand mit bloßen Fingern geschält und so von ihrer holzigen Schale befreit werden, um nur die darin versteckte Bohne später zu Kakaopulver mahlen zu können. Immer neue frisch geröstete Samen kommen aus dem Ofen und Marbely und ich sitzen auf der Terrasse vor dem kleinen Holzhaus inmitten der Kakaoplantage und bearbeiten sie.
Währenddessen erzählt Marbely mir von ihrem Leben in der „Boca de Miel“, der „Honigbucht“, einem urwaldartig bewachsenen Stückchen Land am östlichsten Zipfel von Kuba, wo der „Rio Miel“, der Honigfluss, in den Atlantischen Ozean mündet und man sich am Ende der Welt wähnt. Sie spricht von ihren Eltern, die irgendwann die Plantage an sie weitergegeben haben, die sie ihr ganzes Leben lang noch nie verlassen hat, von der genossenschaftlichen Bewirtschaftung des kubanischen Landes, bei der sie 90% ihres Ertrages an den Staat abgibt und 10% selbst behalten kann, erzählt vom Hurrikan „Matthew“ vor vier Jahren, als ihr Haus komplett zerstört wurde und die Natur ihr fast alles nahm, und ihre Hände und das faltige Gesicht zeugen von einem Leben voller harter körperlicher Arbeit und schwieriger Schicksalsschläge. Doch die wachen Augen begegnen mir in diesen Tagen, die ich hier verbringen darf, stets mit großer Herzlichkeit und Wärme und der Satz „Mi Casa es tu Casa“, „Mein Haus ist Dein Haus“, den man auf Kuba so oft hört, scheint bei ihr aus tiefstem Herzen zu kommen.
Später bereiten wir aus dem gemahlenen Kakao mit etwas Mehl, frischen Kokosflocken und Milch eine köstliche heiße Schokolade zu und ich denke, trotz der Brandblasen an meinen Fingern und dem Sonnenbrand auf der Nase, dass dies die Momente sind, für die ich reise.

Mira Bierend

Sommer 2019, am Rande der französischen Pyrenäen. Blick aus dem kleinen, aber beeindruckenden Nationalpark Les Orgues d`Ille-sur-Tet auf den Pic du Canigou, den östlichsten markanten Berggipfel der Pyrenäen (2785m). Der Beginn einer traumhaften Motorradtour vom Mittelmeer bis zum Atlantik.

Annette Tharann

Ich wäre jetzt gern in den Alpen, mit Zelt und Skizzenbuch, auf einer sonnigen Alm. Ich würde die Berge gegenüber zeichnen. Dabei fallen einem immer viel mehr Einzelheiten auf, als wäre man bloß vorbeigewandert oder -gefahren. Die dunklen Tannen, die hellgrauen Felsenvorsprünge, dort, vielleicht eine Höhle in höchster Höhe? Dieser Berg schaut seit Jahrmillionen ins Tal hinab, ich freue mich, dass ich ihn mir so genau angesehen habe. Die Erinnerung an die Begegnung werde ich im Herzen tragen.

Kundri Lu Schäfer

Über Ostern sollte es nach Marrakech gehen. Diesen orientalischen Traum am Fuße des Atlasgebirges habe ich bereits einmal bereist und sofort in mein Herz geschlossen. Es gibt hier so vieles zu bewundern, zu erwandern und zu bestaunen. Was bleibt, ist ein zweiter Versuch hoffentlich im nächsten Jahr. Aber statt des Abhakens einer weiteren Reisedestination, wie es vielleicht gewesen wäre, fühlt es sich diesmal intensiver an. Der Geruch der eingelegten Zitronen, der zahlreichen Gewürze – allen voran das Fleur d’Orange und die besondere Süße des typischen Grüntees mit frischer Minze kommt in mir hoch und die Vorfreude auf einen Ausflug in die geliebten Berge – den Atlas. Diese intensive Vorfreude ist mein Gewinn an Lebensqualität in diesen Tagen. Wenn Reisen ein Ausbruch aus dem Alltag sein sollte, dann ist die Vorfreude darauf sicher eine Stärkung in den Zeiten begrenzter Bewegungsräume. Reisen erzeugt auch angenehme Bilder und Erinnerungen – etwas, dass ich gerade vermisse. Ich denke, ich werde ähnlich auf die Zeiten der Ausgangsregelungen zurückschauen, wenn ich sie hinter mir habe. Insofern ist der Blick in ein altes Urlaubsfoto auch ein Blick in die Zukunft. So wie die Spiegelung der Palmen und Berge auf der Wasseroberfläche. Noch ist das Bild der Zukunft unscharf, aber es macht neugierig und vorfreudig.

Michael Wolters

„Mitad del Mundo“ – in der Mitte der Welt spürten wir die Kraft der Natur ganz besonders. Es war ein unbeschreibliches Glück, in das Wasser des Cóndor Machay zu springen. Eine Energie, die uns das Gefühl gab, neugeboren zu sein!

Aude Boucher

Mitten in der Wüste liegt der En-Awdat-Nationalpark. Die Wanderung durch das Tal eröffnet den Blick auf die Oase. Die Wüste erwacht zum Leben. Man hat die Menschenmassen gegen die Steinbockherden getauscht, den Lärm der Stadt gegen die Ruhe der Natur.


Julia Bastian

Wege über hügelige Wiesen hin zu Holzhäusern, aus denen Männer in Trachten treten, zur Kirche schreiten, um dort Obertongesänge zu intonieren. So habe ich mir Georgien vorgestellt. Gefunden haben wir Gastfreundschaft, Gastfreundschaft und Gastfreundschaft.

Heike John

Reisen bedeutet Aufbruch in eine andere Welt, allein oder in Gemeinschaft, aber immer verbunden mit dem Wunsch nach Eindrücken, Erfahrungen, Erlebnissen, die uns der Alltag vorenthält.
In diesem Sinne waren für mich alle Konzertreisen, die ich mit dem Kammerorchester Da Ponte nach Burgund unternahm, in nachhaltiger Erinnerung.
In Burgund bilden Landschaft und mittelalterliche Architektur eine atemberaubende Einheit, die mich immer wieder ins Staunen versetzt. In diesem Ambiente in Gemeinschaft zu leben, zu proben, Konzerte in alten Kirchen zu geben, danach die Gastfreundschaft der Burgunder samt Speisen und Wein zu genießen, bleibt ein unvergessenes Gesamtkunstwerk.
Auch das Alleinsein kann zum Erlebnis werden, wenn man sich tagsüber mal für eine Stunde in eine der zahlreichen kleinen romanischen Kirchen mit seinem Instrument zurückzieht und eine Bachsonate erklingen lässt.
So führt Reisen nicht nur in eine andere Welt, sondern auch wieder zu sich selbst zurück.

Burkhard Deuse

Der Duft von Kiefernwäldern begeistert mich seit Kindertagen bei der Großmutter auf dem Lande. Auf der Kanareninsel La Palma sehen die Kiefernwälder ganz anders aus. Riesige Bäume prägen die Kraterlandschaft des Nationalparks „Caldera de Taburiente“. Aber sie duften genauso. Stundenlange Wanderungen durch die kanarische Bergwelt mit meinem Studienfreund Lionel geben mir innere Ruhe und neue Energie.

Lucas Schwengebecher

Das Motorrad gibt uns die Möglichkeit, während einer Reise viel mehr zu sehen. Gleichzeitig schenkt es uns ein wunderbares Gefühl der Freiheit und der Verbindung mit der Welt um uns herum: Wir können alle Gerüche spüren, alle Geräusche hören, wir nehmen das Wetter wahr und sehen immer den Himmel über uns. Das ist für uns das wichtigste am Reisen, insbesondere, wenn wir an den Rand der Welt fahren.

Alexandra und Serge Siro (hier auf dem Weg zum Nordkap).
Instagram @see.roads

Im Torres del Paine Nationalpark in Patagonien. 5 Tage mit dem Rucksack, kaum Menschen, unwirkliche, karge Landschaft. An Tag 4 vollkommen erschöpft nach der Passage des Paso John Gardner (1241m) und dann der Blick auf diesen Gletscher – Glaciar Grey mit 270qm Fläche. 

Doro Hempel

Eintauchen. Sich treiben lassen. Beobachten. Verstehen.

Sardinenbewegung auf dem Piazza di San Giovanni in Rom.

Josephine Löffler

Auf unseren Reisen ist es uns immer wichtig, Kontakt zu den Einheimischen zu finden- erst dann tut man eine Reise und kann auch was erzählen…
So war es auch auf einer klitzekleinen Malediven Insel im Baa Atoll Maalhos. 
Fischen bildet dort eine wichtige Lebensgrundlage und vorzugsweise mit einfachen Ruten, dennoch ausgefeilter, bewährter Angeltechnik. Der Vater unseres Airbnb Gastgebers- ein erfahrener und angesehener Fischer- ließ sich also überreden, uns auf eine Angeltour mitzunehmen- gemeinsam mit einigen anderen Fischern, die uns verschmitzt belustigt am Hafen auf’s Fischerboot halfen und während des langwierigen Köderfanges mit Kokosnussstückchen und Keksen aus dem Dorfkonsum bei Laune hielten.
Irgendwann ging’s dann plötzlich los: hunderte Thunfische – angelockt durch die schaufelweise ins Meer geschmissenen Köderfischchen- gerieten ins Fressfieber und sprangen wild aus dem Wasser. Jetzt musste alles klappen: wir standen Seite an Seite auf dem Deck des Bootes und stippten eilig mit den Ruten in die Gierschlunde. Allerdings stellte ich dazwischen, höflich geduldet, doch mehr ein Hindernis dar- unsicher auf den Beinen, das Heck schwankend und geländerlos. Sobald ich einen Biss hatte, verhakte ich mich mit dem Nebenmann beim Anrucken oder beim Versuch, die Beute zielsicher
nach hinten auf’s Boot zu schleudern, der Fang landete wieder munter in seiner Heimstatt. Letztlich gelang mir doch ein Glücksfang, allerdings erstmal gegen meinen Mann klatschend, der in Fotoposition amüsiert das hektische Treiben festhielt, und gleichzeitig damit unseren abendlichen Grillschmaus rettete!

Rudi und Kathrin Nass

Die Schuhe reiben extrem, viel zu wenig Sauerstoff in der Winterluft in tausenden Meter Höhe, die letzten Schritte ohne Ski nur mit Eispickel fühlen sich wie eine Ewigkeit an und jeder einzelne ist ein Kraftakt – doch der Moment, in dem die schier endlose Wand mit Schnee der grenzenlosen Weite weicht, ist unbeschreiblich – Freiheit pur!
Die lange Abfahrt, bei der sich jeder seinen eigenen Weg durch den unberührten Schnee sucht, bildet den krönenden Abschluss der Skitour auf den Monte del Forno.

Aleke Alpermann

Ich liebe Buchhandlungen und freue mich über jede, die mit Hingabe betrieben wird – egal ob im südthüringischen Schmalkalden („Lesezeichen“) oder die „Librairie Mollat“ in Bordeaux.
Im letzten Sommer sind wir mit unserem Bus die französische Atlantikküste entlanggefahren, von der Ile de Ré bis hinunter an die spanische Grenze.
Wunderbare Orte gab es zu entdecken, vor allem fernab der typischen Ausflugsziele.
Ein Tagesausflug nach Bordeaux musste allerdings sein. Ich war gar nicht so begeistert von der Stadt, aber in der größten Buchhandlung dort haben wir tatsächlich Stunden verbracht. Dabei sprechen wir kein Französisch und wollten eigentlich nur ein paar Postkarten kaufen, wie man das halt so kennt.
Die gab es aber gar nicht, sondern wirklich und wahrhaftig nur Bücher bis zur Decke! Gut, in der großen Musikabteilung konnte man die passenden Tonträger zum Buch kaufen, aber sonst?
Bücher, Bücher, Bücher und viele persönliche Empfehlungen der Buchhändler auf vollen Tischen – ohne die sogenannten Nonbooks dazwischen. Dabei machen französische Buchcover echt nicht viel her.
Bei der Deko tobt man sich halt in den Schaufenstern aus – toll!
Natürlich weiß ich nicht, wie sich eine so große Buchhandlung rechnet, vollgestopft mit Literatur zu wirklich allen Themen und genug (!) Personal.
Aber ganz sicher gibt es Gründe, warum die französischen BuchhändlerInnen bei Mollat es genauso zu machen. Jedenfalls war ich begeistert, inspiriert und glücklich, diesen wunderbaren „Bücherort“ entdeckt zu haben.

Katja Kemnitz

Ich liebe es, zu reisen. Vor allem alleine. Denn so entdecke ich Orte, die ich sonst nie erkunden würde und begegne Menschen, die ich sonst nie treffen würde. 2015 war ich in Riga – und bin im Hostel krank geworden. Was für eine unangenehme Situation – dachte ich – in einem 6er-Zimmer hustend vor sich hinzufiebern!
Da ich nicht rausgehen konnte, versuchte ich mich selber zu beschäftigen und nahm wahllos eines der Bücher vom Regal. Und plötzlich las ich eine Ars Poetica, die sich wie meine anfühlte. Ich bekam so viel Positivität durch diesen Text, dass es mir am nächsten Tag schon wieder viel besser ging:

„Let us laugh and let us love, artists, so that our laughter cheers up the men, the woman and the children, and so that our love fertilises the earth and fills it with kisses and embraces.“ (Àngel Cunillera)

Adrienn Baszo

Als ich Venedig besuchte, war ich fasziniert von der Fülle an Kunstschätzen, die in Italiens Städten für uns offen stehen. Es ist wunderbar, ganze Tage in Museen, Galerien und Kirchen zu verbringen und zwischendurch die Atmosphäre der alten Bausubstanz und in Venedig besonders die einzigartigen Wassergässschen aufzunehmen. Ich erinnere mich daran, wie mich der Markusplatz mit dem großen Dom vor der weiten Wasserkulisse beeindruckt hat oder in der Scuola Grande di San Rocco der Zyklus von 60 Gemälden Tintorettos. Ein besonderer Moment war allerdings, als wir am Ufer in der Nähe des Ponte del Accademia entlangschlenderten und plötzlich barocke Orchestermusik erklang – unverhofft waren wir zum richtigen Zeitpunkt an der Kirche vorbeigekommen, wo Vivaldis legendäres Mädchen-Waisenhaus lag und noch heute wöchentliche Konzerte stattfinden. Durch die Eingangspforten hindurch lauschten wir still-heimlich den Klängen, um das laufende Konzert nicht zu stören, und die Musik erweckte das barocke Gebäude zu Leben. An diesen Moment erinnerte ich mich neulich, als das neue Buch von Peter Schneider rezensiert wurde, „Vivaldi und seine Töchter“, – welch schönes Geschenk, dass wir diesem Konzerteindruck so in die Arme gelaufen waren und ich den Ort dadurch noch so klar vor Augen habe!

Jule Rosner

Ein unbekannter Mann aus einem kleinen Dorf im Allgäu. Den ganzen Abend legt er Holzstücke in das Feuer. Er ist so dabei, mit ganzem Leib, dass man ihm, trotz der Stille in den Bergen, wie einem Künstler lauschte.

Emilia Lomakova

Dieses idyllische Foto wurde natürlich nicht von mir aufgenommen. Erst 131 Jahre später hatte ich die Chance, als Hydrogeologin für anderthalb Jahre in Jaipur, der Hauptstadt Rajasthans, leben und arbeiten zu können. Das abgebildete Amer Fort sieht heute fast genauso aus wie damals, nur mit mehr Tourist*innen, geschäftigen Tuktukfahrern und ernsthaften Elefantenführern.  Was mich an diesem Ort besonders fasziniert, ist das vor Jahrhunderten angelegte Wasserversorgungssystem der riesigen Fortanlage, welches jeden Tropfen Wasser wertschätzt und bis heute seine Funktion bewahrt hat. Neben diesem absolut nachhaltigen Grundgedanken beeindruckt es zudem durch seine wunderbare Architektur und Ästhetik, inspiriert sowohl aus hinduistischer Baukunst als auch der Architektur der Moghulen. All das macht die Stauseen und einzigartigen Stufenbrunnen zu Orten der Zusammenkunft, des Austausches und der Erholung. Wasser wird durch die Architektur Teil der Gesellschaft – für mich als Naturwissenschaftlerin positiv verwirrend und spannend zugleich.

Theresa Frommen

Amer Fort, Jaipur, Indien, 1885 (Photograph from Lala Deen Dayal, The British Library)

Im Urlaub lasse ich gerne Erinnerungen aus der Kindheit aufleben. Da können selbstgesammelte Steinpilze aus schwedischen Wäldern genauso schmecken, wie damals frisch aus Oma`s Pfanne!

Benjamin Sauer

Ich bin es gewohnt, viel Zeit auf der Couch zu verbringen. Allerdings nicht auf meiner eigenen wie in diesen seltsamen Tagen, sondern in fernen Ländern als Couchsurfer: Ich wohne für zwei oder drei Tage bei Einheimischen zu Hause, dann geht es weiter in die nächste Stadt, zum nächsten Gastgeber. Derzeit schwelge ich viel in Erinnerungen an diese Abenteuer. Heute führte mich meine Reise im Kopf zurück auf eine besonders dekorative Couch in Peking. Ich wohnte bei einer regimekritischen Künstlerin mit einem sehr eigenwilligen Stil und lernte in drei Tagen mehr über China, als wenn ich 100 Zeitungsartikel über ihr Land gelesen hätte. Von ihr und anderen chinesischen Freunden, die ich auf meinen Reisen kennengelernt hatte, bekam ich schon im Januar einen Einblick, wie dramatisch sich diese Virus-Geschichte entwickeln kann. Viele Chinesen konnten 50 oder 60 Tage am Stück ihre Wohnung nicht verlassen – dagegen ist mein Ärger, gerade nicht zum Frisör zu können, wirklich nicht der Rede wert. Auch ist unser Gesundheitssystem besser als das fast aller Länder, die ich in den letzten Jahren besucht habe. Die Reise-Erinnerungen helfen also nicht nur, die Zeit im Heimexil angenehmer zu gestalten. Sie helfen mir auch dabei, mich jeden Krisentag daran zu erinnern, dass es ein Privileg ist, hier zu leben und nicht woanders.

Stephan Orth

Aktuelles Buch: „Couchsurfing in China – Durch die Wohnzimmer der neuen Supermacht.“

Zauberwälder mit uralten Loorbeerbäumen im Wolkensonnennebel laden zum Waldbad ein.

Petra Hinze

„Marathontraining oder Jakobsweg?“ Ein Aushang der onkologischen Trainingstherapie lud dazu ein. Als über 60jähriger entschloß ich mich für den Jakobsweg. Gestartet sind wir im spanischen Leon, Ziel war Santiago de Compostella, cirka 300 km auf dem Camino Francés. Nach der ersten Nacht in einem Kloster mit 40 Betten im Männerschlafsaal ging es am nächsten Morgen mit 10 Kilo-Rucksack und guter Laune los. Der Weg schlängelte sich im hügeligen Gelände, gesäumt von Bäumen und Sträuchern oder auch weiten Flächen mit Heidecharakter. So wanderte ich oft allein und konnte frei meinen Gedanken nachgehen. Oder auch zu zweit und mit Pilgern aus allen Teilen der Welt. Überall gab es reichlich und gut zu essen. Am Abend freute ich mich auf das üppige 3-Gänge Pilgermenü. Nach drei Wochen bin ich in Santiago angekommen. Im Gottesdienst mit dem engelhaften Gesang einer Nonne und dem Schwenken des riesigen Weihrauchfasses, dem Botafumeiro, kamen mir die Tränen. Zurück ging es mit einem Herz voll von neuen Eindrücken und Freuden.

Franz Hötzel

Die Wildnis ist mein Wohnzimmer, meine Lehrerin, meine Erinnerung an mich selbst. Sie nicht nur durch die Fenster eines gemütlichen Kreuzers zu betrachten, sondern ganz im Rhythmus der Elemente zu leben und reisen ist seit jeher meine Sehnsucht. Mein Reisefreund Milan ist mir da ein Seelenpartner. In unserer 5,20m langen „Berta“, einem Klepper-Faltkajak aus Holzgestänge und einer Haut aus Canvas und Gummi fühlen wir uns lebendig – dass darin auf unserer viermonatigen Tour auch noch Platz sein muss für meine Geige ist verrückt und doch so logisch – was sonst sollte eine Geigerin tun, als in den wenigen Siedlungen und Städten inmitten der Wildnis am Ozean spontane Konzerte für die Einheimischen zu geben?

Katharina Guhlmann

Im Urlaub ist mein erster Gang oft der zum Friseur. Ich mag es, mit Händen und Füßen über Fassonschnitte, Rasiererlängen und aromatisiertes Haarwasser zu diskutieren und im Zweifel einfach abzuwinken, weil es doch eigentlich nur darum geht, Ballast abzuwerfen.

Anton Kaiser (hier frisch vom Barber in Cape Town)

Mit den Rädern Anfang April den Ostseeradweg entlang bis nach Polen. Eiskalter Wind im Gesicht, zelten auf geschlossenen Campingplätzen bei Frost in der Nacht, strampeln gegen die Kälte. Von Stettin aus den Oderradweg durch die Uckermark, plötzlich wird es warm und frühlingshaft, Sonnenbaden zwischen Störchen und Reihern, die Weite des Odertals, abends Harry Potter vorlesen mit Taschenlampe.
Dann unser Ziel: Ein Ferienhaus in einer alten Mühle in Niederfinow, romantisch verkommen, urgemütlich. Wir stellen die Räder ab, waschen Wäsche und fühlen uns angekommen, denn dort warten unsere wichtigsten Freunde auf uns, die wir viel zu selten sehen, um mit uns Ostern zu feiern.

Ellen und Bernhard von Hagen mit Pitti, Atticus und Linnea

Bei einer Bergtour, auf die man gut vorbereitet ist oder auf die man sich lange gefreut hat, ist das Gefühl am Gipfel selbst nicht mal das intensivste. Der emotionalste Moment findet für mich ungefähr 20 Meter vor oder unter dem Gipfel statt. Wenn man plötzlich merkt, jetzt schaffen wir es. Jetzt steht dem Gipfel nichts mehr im Wege.
Man fühlt sich, als hätte man Schmetterlinge im Bauch, die einem niemand nehmen kann. Es ist ein wahnsinnig starkes Gefühl von Glück, Zufriedenheit und Freiheit.
Hier mit einem Freund auf dem Dach der Alpen (Mont Blanc, 4810m).

Kornelius Kutzner