Angelehnt an Goethes Zeilen „Warum in die Ferne schweifen. Sieh , das Gute liegt so nah“, habe ich in diesem Jahr meine englischen Gartenträume vertagt und mich in eine wundervolle Landschaft begeben, die eigentlich vor der Haustür meiner Heimatstadt Erfurt liegt: das Eichsfeld mit dem gleichnamigen Landkreis.

Nur wenigen Menschen in meinem Umfeld ist dieser Landstrich vertraut, gelegen zwischen Harz, osthessischem Bergland, Werra  und dem Thüringer Becken, in dem u.a. die Flüsse Unstrut und Leine ihren Ursprung haben.

Bekannt ist den meisten allerdings, dass das Eichsfeld katholisch geprägt ist, was in seiner Zugehörigkeit zu Kurmainz bis 1803 begründet liegt, spätestens aber seit dem Besuch von  Papst Benedikt XVI. am 23. September 2011 in der Wallfahrtskirche Etzelsbach.

Die Eichsfelder haben sich in Zeiten der DDR-Diktatur ihre Heimat-und Glaubensverbundenheit bewahren können, eine Identität, die auch den Verheißungen der Konsumgesellschaft nach 1989 mit einer gewissen Gelassenheit und Bodenständigkeit trotzen konnte.

Der Eichsfeldkreis bezeichnet nicht nur eine reizvolle Landschaft mit sanften Höhen und lichten Wiesentälern sondern auch eine einmalige Kulturlandschaft mit einer reichen Bausubstanz. Das Bild dieser Landschaft wird noch heute in hohem Maße von den historisch gewachsenen Dörfern mit behutsam sanierten Fachwerkbauten geprägt, von ihren Kirchen, die mit ihren spitzen Helmen und geschweiften Hauben weit ins Land schauen und die Silhouetten bestimmen, von ehemaligen Klosteranlagen, Kreuzwegstationen aber auch von ihren Burgen, zu deren bekannteste wohl die Burg Hanstein im Dreiländereck Hessen-Niedersachsen-Thüringen zählt.

Deutsch-deutsche Geschichte kann man in den Grenzmuseen Schifflersgrund bei Asbach-Sickenberg und Teistungen sehr eindrucksvoll erleben.

Gut ausgebaute Radwege und ein weit verzweigtes Straßensystem lassen das Reisen zum entspannten Vergnügen werden. Für eine kräftige Brotzeit sollte man unbedingt die „Stracke“, eine Eichsfelder Wurstspezialität wählen.

Gemäß dem Liedtext von Matthias Claudius „Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen, drum nehm ich meinen Stock und Hut und tät das Reisen wählen“ werde ich auch im nächsten Frühling wieder etwas zu erzählen haben; dann vielleicht von englischen Gärten und Herrenhäusern.

Sabine Ortmann

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