Als ich Venedig besuchte, war ich fasziniert von der Fülle an Kunstschätzen, die in Italiens Städten für uns offen stehen. Es ist wunderbar, ganze Tage in Museen, Galerien und Kirchen zu verbringen und zwischendurch die Atmosphäre der alten Bausubstanz und in Venedig besonders die einzigartigen Wassergässschen aufzunehmen. Ich erinnere mich daran, wie mich der Markusplatz mit dem großen Dom vor der weiten Wasserkulisse beeindruckt hat oder in der Scuola Grande di San Rocco der Zyklus von 60 Gemälden Tintorettos. Ein besonderer Moment war allerdings, als wir am Ufer in der Nähe des Ponte del Accademia entlangschlenderten und plötzlich barocke Orchestermusik erklang – unverhofft waren wir zum richtigen Zeitpunkt an der Kirche vorbeigekommen, wo Vivaldis legendäres Mädchen-Waisenhaus lag und noch heute wöchentliche Konzerte stattfinden. Durch die Eingangspforten hindurch lauschten wir still-heimlich den Klängen, um das laufende Konzert nicht zu stören, und die Musik erweckte das barocke Gebäude zu Leben. An diesen Moment erinnerte ich mich neulich, als das neue Buch von Peter Schneider rezensiert wurde, „Vivaldi und seine Töchter“, – welch schönes Geschenk, dass wir diesem Konzerteindruck so in die Arme gelaufen waren und ich den Ort dadurch noch so klar vor Augen habe!

Jule Rosner

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