„Marathontraining oder Jakobsweg?“ Ein Aushang der onkologischen Trainingstherapie lud dazu ein. Als über 60jähriger entschloß ich mich für den Jakobsweg. Gestartet sind wir im spanischen Leon, Ziel war Santiago de Compostella, cirka 300 km auf dem Camino Francés. Nach der ersten Nacht in einem Kloster mit 40 Betten im Männerschlafsaal ging es am nächsten Morgen mit 10 Kilo-Rucksack und guter Laune los. Der Weg schlängelte sich im hügeligen Gelände, gesäumt von Bäumen und Sträuchern oder auch weiten Flächen mit Heidecharakter. So wanderte ich oft allein und konnte frei meinen Gedanken nachgehen. Oder auch zu zweit und mit Pilgern aus allen Teilen der Welt. Überall gab es reichlich und gut zu essen. Am Abend freute ich mich auf das üppige 3-Gänge Pilgermenü. Nach drei Wochen bin ich in Santiago angekommen. Im Gottesdienst mit dem engelhaften Gesang einer Nonne und dem Schwenken des riesigen Weihrauchfasses, dem Botafumeiro, kamen mir die Tränen. Zurück ging es mit einem Herz voll von neuen Eindrücken und Freuden.

Franz Hötzel