Kleine Fluchten. Mit dem Bulli in der Streuobstwiese. Ein Gefühl von Freiheit und Abenteuer auf schwäbische Art.

Wolfgang und Regina Beck

Der Sommer war in vollem Schwung, jeden Tag ein neues Erlebnis und Menschen um uns herum, die wir gern haben. Aber auch ruhige Momente der zufriedenen, nachdenklichen Zweisamkeit in der warmen Abendsonne, den Tag verabschieden, gar nicht mehr zurück ins häusliche Bett wollend.

Jelena Ulukut

Markthallen sind phantastische Ort, südfranzösische erst recht. In St.-Jean-de-Luz mussten vorigen Sommer indes lebende Langusten und glänzende Thunfische farbigen Kannen aus Emaille den Vortritt lassen, die in zwei Reihen über der Theke des Cafés in ihrer uniformen Schlichtheit paradierten. Es dauerte bis zum Ende des Urlaubs und bedurfte gefühlt des Besuches jedweden Brocante-Marktes des Baskenlandes, ehe der Kauf eines feuerroten Exemplars gerade noch so in Pamplona gelang. Viel weniger Zeit brauchte die naseweise Tochter, bis sie im Internet auf die so heiß begehrte Ware stieß. Es sei ihr verziehen; mit Kannen, zumal feuerroten und aus Emaille, ist es wie beim Reisen: Was gilt schon das Ziel?


Willy Römer

Ostuni, Italien
Letztes Jahr bin ich nach Italien gefahren, um an einem Tanzworkshop teilzunehmen. Ich liebe es, wie in Italien Englisch gesprochen wird: Mit richtig viel Schwung und Melodie und vor allem: ohne „h”. Am ersten Tag habe ich diesen Schriftzug in unserem „Outdoor-Bad” gefunden, der darauf hinweist, keinen Fön zu benutzen.

Adrienn Baszo

Namaste – Das Licht in mir, grüßt das Licht in dir!
Durch eine Schulpartnerschaft mit der St. Mark’s School in New Delhi durften wir hautnah erfahren, was „Incredible India“ bedeutet: Farbenvielfalt, Menschenmengen, unbekannte Gerüche, Verkehrschaos, Kühe, Hubkonzerte, leckeres Essen und eine einzigartige Gastfreundschaft.

Gernot G.

Nach anfänglicher Ratlosigkeit habe ich die erzwungene Einschränkung im Alltag auch genossen. Endlich mal Zeit haben. Zwischen den Telefonaten und Videokonferenzen mal schnell eine Runde um den nahegelegenen See und am Wochenende statt Kino, Theater und Party lange Ausflüge in die Umgebung mit meiner Frau. Wir waren nicht nur überrascht immer noch neue, unbekannte Wege zu entdecken, sondern auch, wie schön es doch so ganz nah sein kann.

Bodo Bastian

Den Zebrastreifen überqueren – mal anders! Tierische Eindrücke aus dem Etosha National Park in Namibia.

Stephanie Hartmann

Im Oktober 2019 waren wir in Norwegen, nicht zuletzt, um Polarlichter zu bestaunen. Das Bild zeigt die magischen Lichter auf den Lofoten, die wir von unserer Unterkunft aus – ein kleines Häuschen am Rande eines Fjords – entdeckt haben. Die kalte Luft, die menschenleere Gegend, der klare Himmel und die grünlich flackernden Lichter am Himmel erzeugen eine besondere Faszination sowie unvergessliche Momente.

Franziska und David Seydel

Die Mandelsaison (Anfang April) ist die beste Zeit, um wieder in die Türkei zu reisen. Ich tausche Jeans gegen Salvar, lege mich unter einen Mandelbaum und pflücke die frischen Mandeln (die man, wenn sie noch nicht ganz reif sind, nicht einmal schälen muss) wie im Schlaraffenland direkt in meinen Mund. Dazu ein wenig grobes Salz, der Blick in den blauen Himmel und die Ziege „meine Liebe“, die sich immer wieder zu mir legt, um gekrault zu werden.

Gazi Aydin

Eigentlich liegt er direkt vor der Haustüre. Zumindest nicht weit weg. Und eigentlich hatte ich mir vorgenommen, viel öfter dort hin zu fahren. Aber doch war ich an diesem wundervollen Ort viel zu selten. Einem Ort, an dem man im See schwimmen-, gleichzeitig die Alpen sehen- und doch ein Gefühl von Süden vermittelt bekommen kann. Eine so beruhigende, träumerische Idylle habe ich selten an einem Ort erlebt. Und doch war ich einfach viel zu selten dort.
Aber dann hatte ich das Bedürfnis, diese Schönheit ganz für mich allein zu genießen. Nicht in den schmalen Straßen der Uferpromenaden mit vielen anderen entlang zu schlendern, nicht im Gespräch versunken im Café zu sitzen und nebenbei die Weite des Ortes zu spüren. Ich wollte diesen Ort, der so nah war, intensiver spüren.
Ich machte mich auf, um an diesem See umherzuwandern – inklusive Achtsamkeitstagen beim Yogafestival. Ich. Für mich alleine. Mit dem See, meinem Rucksack und meiner Yogamatte. Schön. Hier am Bodensee.

Tamara Flad

Der portugiesische Jakobsweg (den ich mit meiner Frau und mit einer Freundin unserer Kirchengemeinde im Oktober 2017 gegangen bin) führt von Porto nach Santiago de Compostela und er ist ungefähr 250 Kilometer lang. Wenn man 20 bis 25 Kilometer pro Tag geht, kann man die ganze Strecke zu Fuß also in ungefähr zwei Wochen bewältigen.

Mir ging es bei dieser Pilgerfahrt aber nicht so sehr darum, etwas zu schaffen oder eine körperliche Leistung zu erbringen. Ich habe es eher als das Gegenteil erlebt: endlich mal frei zu sein von dem Leistungsdruck, der im beruflichen Leben immer da ist. Es ging mir auch nicht einmal darum, das Ziel zu erreichen: man ist einfach unterwegs, das ist der natürliche Modus. Am Anfang ist es anstrengend und ermüdend, aber allmählich vergißt man die Anstrengung, man geht und gerät in eine Art ruhige Euphorie, man erlebt die Dinge und die Umgebung, man öffnet sich für unerwartete Erlebnisse, Einsichten und Begegnungen.

Es gibt unterschiedliche Gründe, warum man eine Pilgerfahrt machen möchte. Im Mittelalter war es meistens eine Äußerung von Buße oder das Erfüllen eines Gelübdes. Heutzutage pilgern viele Menschen, um zu entschleunigen, sich zu erholen, sowohl seelisch als auch körperlich, oder um neue Impulse zu bekommen.

Die Tatsache, dass man einen Weg geht, den viele Generationen von Pilgern gegangen sind, verleiht dem Gang eine besondere Bedeutung: man trifft andere Pilger, denen man ‘Bom Caminho’ wünscht, man holt seine Stempel in den Kirchen und Kapellen mit ihrer langen Geschichte, oder man hält bei den steinernen Kreuzen am Weg, wo Vorgänger Zettel mit ihren Gebetsanliegen hinterlassen haben. Man ist viel alleine mit seinen Gedanken, man meditiert über einen Psalm, ein Lied oder einen Bibelvers, mit dem man den Tag angefangen hat, man betet für einen Menschen, der Hilfe braucht, oder man setzt sich mit einer Frage oder einem Thema auseinander. Eine Pilgerfahrt ist eine besinnliche Sache, man nimmt Abstand vom Alltäglichen und versucht, die Dinge in einer anderen Perspektive zu sehen.

Die Strecke führt von Porto zunächst direkt am Meer der atlantischen Küste entlang, dann biegt der Caminho nordöstlich in die Hügel von Nord-Portugal und Galicien, mit schönen Dörfern, Weinfeldern und Vögelgesang. Da man in nördliche Richtung geht, hat man meistens die Sonne im Rücken, was bei dem sommerlichen Wetter, das wir hatten (25 bis 30 Grad, im Oktober!), sehr angenehm war. Nur am letzten Tag, gerade bei der Ankunft in Santiago, hat der Himmel sich geöffnet und es hat den ganzen Tag kräftig geregnet, so dass wir durch und durch nass in der Kathedrale ankamen. Dort erlebten wir aber einen ganz besonderen Abendgottesdienst, wo alle gerade eingetroffenen Pilger begrüßt und gesegnet wurden, mit, als Apotheose, dem Ritual des Botafumeiros, des versilberten Weihrauchfasses, das an einem Seil von acht Männern gezogen durch das Querschiff der Kathedrale sauste.

Bei der Heimkehr kommt es dann darauf an, an dem Erlebten festzuhalten und es im alltäglichen Leben umzusetzen. Es ist irgendwie ironisch, dass es dazu in der aktuellen Zeit wieder neue Möglichkeiten gibt: die vielfach genannte und von vielen ersehnte Verlangsamung, Verstillung und Vereinfachung des Lebens, zu der wir jetzt im Alltag gezwungen sind und die wir allmählich besser kennen und zu schätzen lernen.

Philip van der Eijk

Bahai Gärten, Haifa, Israel: Am Weltzentrum der jüngsten Weltreligion überreiche ich einem Freund eine Rose der Freundschaft. Ein Hallenser Witwer produziert im Namen seiner Frau viele Rosen und sendet diese mit Reisenden in die Welt, damit eines nahen Tages eine solche Keramikblume in jedem Land der Erde sich befindet. Mit überreicht wird hier ein passendes Zitat von Baha’u’llah: „Die Erde ist nur ein Land und alle Menschen sind seine Bürger.“ Diese Einheit wird in den Bahai Gärten spürbar. Man nennt sie umgangssprachlich auch den Paradiesgarten oder den Garten Eden. Auf jeder Israelreise ein Muss neben den bekannten Klassikern.

Sascha Gätzschmann

Spiegelbilder in Norwegen – entdeckt beim Fahrradfahren.

Monika Porrmann

Eine magische Landschaft, die uns verzaubert hat. Unwirklich erscheinend mit ihren bizarren, von Wind und Regen geschaffenen Formen. Farben der Wüste eingetaucht in eine Stille, die wir hören konnten. Menschenleer. Sind wir auf dem Mond oder Teil einer Filmkulisse? Nein, Sonntagmorgen mitten in Europa. Die Bardenas Reales im Süden Navarras. Krasser können Naturunterschiede nicht sein. Vom Hochgebirge in die Halbwüste.


Michael Matthes

Wir sind im letzten verregneten Sommer über die untere Havel geschippert. Mit zwei befreundeten Familien gemütlich von Havelberg, am letzten Zipfel Sachsen-Anhalts gestartet, hatten wir eine Woche Zeit, um die Havel mitten im Naturschutzgebiet zu entdecken. Drei Bungalow-Boote, keine Eile treibt uns. Eine fahrende Schrankwand, eine Gartenlaube oder ein Boot mit viel Platz und allem Luxus. Nachts, träumend unter klarem Sternenhimmel, mitten im Sternenpark Westhavelland haben wir uns an der Feuerschale gewärmt. Auch wenn unser BunBo-Sommer verregnet war, sehnen wir uns nach der entspannten Woche zurück. Mal sehen, wo uns dieser Sommerurlaub hinführt.

Thorsten Schmidt-Look

Santiago de Compostela – 500 Kilometer Jakobsweg liegen hinter mir. Nachhaltige Wochen voller Anstrengungen, physischen und psychischen Herausforderungen, einem herzlichen internationalen Miteinander und dem schönen Gefühl, alles Notwendige mit sich zu tragen, finden hier ein Ende. Die letzte Etappe startet nachts gegen zwei Uhr, damit ich zum Sonnenaufgang an der Kathedrale stehe. Gemeinsam mit einer kleinen Gruppe – eine bunte Mischung von Pilgern aus Österreich, Norwegen, Australien, Slowenien und den USA – laufen wir in der Dunkelheit dem Ziel entgegen. Nach fünf Stunden erreichen wir Santiago. Als ich durch einen Torbogen vor die imposante Kathedrale trete, schlägt die Turmuhr sieben Uhr. Es ist ein nicht zu beschreibendes Gefühl, nun am Ziel angekommen zu sein. Der Platz ist leer, wir steigen in unsere Schlafsäcke und genießen die morgendliche Stille vor dem großen Touristenansturm. Die körperliche Erschöpfung und Traurigkeit überwiegen, dass die letzten intensiven Wochen nun vorbei sind. Später stelle ich fest, dass dies nicht das Ende des Weges, sondern erst der Anfang war. Buen camino!

Lisa Herklotz

Elternzeit in Kanada – Auf unserer zweimonatigen Tour durch den Westen Kanadas waren wir einfach nur glücklich!

Martina Kampke

Manchmal kann man sich auch ohne großen Reiseplan von schönen Orten entzücken lassen. Im Alltag mit dem Rad einen kleinen Umweg zu fahren, um an einem schönen Platz vorbeizukommen, von der Busstation mal einen anderen Weg zu laufen, um neue Straßen zu entdecken oder bei längerer Umstiegszeit zwischen Zugfahrten einfach mal die Umgebung zu erkunden – das birgt oft ungeahnte Schätze.
Dieses Bild entstand in Hamburg – fußläufig vom Hauptbahnhof in einer 45-minütigen Umstiegszeit.

Anne-Sophie Bereuter

Tel Aviv – Die Stadt, die nie schläft. Vor meiner ersten Reise nach Israel wusste ich nicht, was mich erwartet. Bei einer Mitfahrgelegenheit habe ich eine nette Israelin kennengelernt, die so sehr von ihrer Heimat schwärmte, dass mein nächstes Reiseziel schnell feststand.
Tel Aviv ist jung und dynamisch, international und tolerant. Es ist ein kleines Berlin am Meer, in dem immer die Sonne lacht. Voller Faszination freue ich mich schon auf meine nächste Israelreise.

Juliane Hartung

Im letzten Jahr waren wir in der Böhmischen Schweiz. In Chribská. 
Nur wenige Kilometer hinter der deutsch- tschechischen Grenze kann man als Wanderer die schöne und stillere Seite des Elbsandsteingebirges genießen. Von Klettertouren bis hin zu idyllischen Wanderungen auf paradiesischen Pfaden am Chribská Kamenice entlang ist alles dabei und man bekommt ein Gefühl, als wäre die Zeit stehen geblieben.
Nicht zu vergessen, die traditionelle böhmische Küche mit Zutaten aus der Region im Restaurant „Na Stodolci“. Das ist ein Geheimtipp! Knödel, Apfelstrudel und Salate – alles selbst gemacht. 
Und wenn man Glück hat, kann man abends auf dem Heimweg noch die Ziegen beim Schlafengehen beobachten…

Peggy Klemm

In Guatemala gibt es 33 Vulkane, die als potenziell aktiv gelten. Der letzte Ausbruch des „Fuego“ war im Jahr 2018. Trotz der großen Gefahr leben viele Menschen in der Nähe der Vulkane, weil dort die Böden am fruchtbarsten sind.
Daher sind Vulkane für Guatemalteken auch eher Freund als Feind. An diesem Morgen haben mich alle Menschen gefragt, ob ich schon bemerkt habe, dass der Vulkan eine Zigarette raucht. Und tatsächlich konnte man kleine Wölkchen beobachten, die in den Himmel tanzten.

Stephanie Appelhans

Auf Reisen finden wir voller Neugierde und Vorfreude immer neue Wege – und alles sehen wir mit einem lächelnden Auge.

Jelena und Cem Ulukut

Aufstieg zur Dreifaltigkeitskirche Zminda Sameba. Unglaublich steil, unglaublich schön und immer den Kasbek (5047 m) vor Augen, der sich an diesem sonnigen Herbsttag von seiner besten Seite zeigte.

Ulrike Bastian

In offensichtlich weiser Voraussicht habe ich letztes Jahr Teegeschirr und dosenweise Tee aus China mitgebracht. Das Land hat mich so in seinen Bann gezogen und ich wäre zu gerne wieder dort. Aber im Moment begnüge ich mich wohl lieber mit einer kleinen Teezeremonie. Aufgießen, dem plätschernden Geräusch des Wassers lauschen, den Duft einatmen, einschenken, kurz innehalten, Augen schließen, trinken. Nächster Aufguss…

Meike Pfister

Ein ewiger Kampf der Elemente…Vor zwei Jahren haben wir Schottland bereist. Das Land der Spey und der Highlands, der Lochs und Inseln. Hier ändert sich das Wetter ständig. Eben noch Sonne und im nächsten Moment treibt ein starker Wind einen Regensturm heran. Mit unserem alten Bus sind wir mit Rückenwind die Straßen rund um den Ben Nevis „heraufgesegelt“ und mussten bei Gegenwind, selbst bergab, Gas geben. Ein raues Land mit einer grandiosen Natur. Flüsse, an denen die berühmtesten Whiskydestillerien der Welt stehen, sind genauso ein Symbol für das Land wie die alten Burgen an den geheimnisvollen Lochs. Hier spürt man noch die Seele von William Wallace, genannt Braveheart.

Tobias Lippold und Kristin Seidenzahl

Es sind ja nicht nur die langen und weiten Reisen, die Erholung gewähren. Es sind doch eher die kleinen Fluchten, die Tagesausflüge am Wochenende, die uns Kraft für die kommende Woche geben.
Beginnend mit dem Mandelblütenfest im März findet in der Pfalz fast an jedem Wochenende in irgend einem Ort ein Weinfest statt. Trotz vieler, vieler Menschen ist da meist noch ein Platz am Tisch frei. Notfalls rücken die Leut halt zusammen und mit der Frage: „Wo kummscht’n du här, hä?“ ist man dann auch gleich schnell im Gespräch. Dazu ne Rieslingschorle und e Woiknorze. Ein schöner Tag kann als gesichert gelten!
Beginnend mit dem Mandelblütenfest im März ist das aber leider alles abgesagt. Keine Weinfeste, kein Zusammenrücken und Weinschorle nur Zuhause im Kreis der Liebsten. Gedanklich war ich aber schon auf vielen Festen!

Gunther Kollmuß

„Mi Casa es tu Casa“. Seit Stunden schon sitze ich unter der kubanischen Vormittagssonne, habe bereits mehrere Brandblasen an den Fingern und ein Ende ist noch immer nicht abzusehen. Die Kakaosamen, die wir, nachdem sie die letzten Tage in der Sonne getrocknet und fermentiert worden waren, heute schon in den frühen Morgenstunden begonnen hatten zu rösten, müssen in noch heißem Zustand mit bloßen Fingern geschält und so von ihrer holzigen Schale befreit werden, um nur die darin versteckte Bohne später zu Kakaopulver mahlen zu können. Immer neue frisch geröstete Samen kommen aus dem Ofen und Marbely und ich sitzen auf der Terrasse vor dem kleinen Holzhaus inmitten der Kakaoplantage und bearbeiten sie.
Währenddessen erzählt Marbely mir von ihrem Leben in der „Boca de Miel“, der „Honigbucht“, einem urwaldartig bewachsenen Stückchen Land am östlichsten Zipfel von Kuba, wo der „Rio Miel“, der Honigfluss, in den Atlantischen Ozean mündet und man sich am Ende der Welt wähnt. Sie spricht von ihren Eltern, die irgendwann die Plantage an sie weitergegeben haben, die sie ihr ganzes Leben lang noch nie verlassen hat, von der genossenschaftlichen Bewirtschaftung des kubanischen Landes, bei der sie 90% ihres Ertrages an den Staat abgibt und 10% selbst behalten kann, erzählt vom Hurrikan „Matthew“ vor vier Jahren, als ihr Haus komplett zerstört wurde und die Natur ihr fast alles nahm, und ihre Hände und das faltige Gesicht zeugen von einem Leben voller harter körperlicher Arbeit und schwieriger Schicksalsschläge. Doch die wachen Augen begegnen mir in diesen Tagen, die ich hier verbringen darf, stets mit großer Herzlichkeit und Wärme und der Satz „Mi Casa es tu Casa“, „Mein Haus ist Dein Haus“, den man auf Kuba so oft hört, scheint bei ihr aus tiefstem Herzen zu kommen.
Später bereiten wir aus dem gemahlenen Kakao mit etwas Mehl, frischen Kokosflocken und Milch eine köstliche heiße Schokolade zu und ich denke, trotz der Brandblasen an meinen Fingern und dem Sonnenbrand auf der Nase, dass dies die Momente sind, für die ich reise.

Mira Bierend

Sommer 2019, am Rande der französischen Pyrenäen. Blick aus dem kleinen, aber beeindruckenden Nationalpark Les Orgues d`Ille-sur-Tet auf den Pic du Canigou, den östlichsten markanten Berggipfel der Pyrenäen (2785m). Der Beginn einer traumhaften Motorradtour vom Mittelmeer bis zum Atlantik.

Annette Tharann

Ich wäre jetzt gern in den Alpen, mit Zelt und Skizzenbuch, auf einer sonnigen Alm. Ich würde die Berge gegenüber zeichnen. Dabei fallen einem immer viel mehr Einzelheiten auf, als wäre man bloß vorbeigewandert oder -gefahren. Die dunklen Tannen, die hellgrauen Felsenvorsprünge, dort, vielleicht eine Höhle in höchster Höhe? Dieser Berg schaut seit Jahrmillionen ins Tal hinab, ich freue mich, dass ich ihn mir so genau angesehen habe. Die Erinnerung an die Begegnung werde ich im Herzen tragen.

Kundri Lu Schäfer

Über Ostern sollte es nach Marrakech gehen. Diesen orientalischen Traum am Fuße des Atlasgebirges habe ich bereits einmal bereist und sofort in mein Herz geschlossen. Es gibt hier so vieles zu bewundern, zu erwandern und zu bestaunen. Was bleibt, ist ein zweiter Versuch hoffentlich im nächsten Jahr. Aber statt des Abhakens einer weiteren Reisedestination, wie es vielleicht gewesen wäre, fühlt es sich diesmal intensiver an. Der Geruch der eingelegten Zitronen, der zahlreichen Gewürze – allen voran das Fleur d’Orange und die besondere Süße des typischen Grüntees mit frischer Minze kommt in mir hoch und die Vorfreude auf einen Ausflug in die geliebten Berge – den Atlas. Diese intensive Vorfreude ist mein Gewinn an Lebensqualität in diesen Tagen. Wenn Reisen ein Ausbruch aus dem Alltag sein sollte, dann ist die Vorfreude darauf sicher eine Stärkung in den Zeiten begrenzter Bewegungsräume. Reisen erzeugt auch angenehme Bilder und Erinnerungen – etwas, dass ich gerade vermisse. Ich denke, ich werde ähnlich auf die Zeiten der Ausgangsregelungen zurückschauen, wenn ich sie hinter mir habe. Insofern ist der Blick in ein altes Urlaubsfoto auch ein Blick in die Zukunft. So wie die Spiegelung der Palmen und Berge auf der Wasseroberfläche. Noch ist das Bild der Zukunft unscharf, aber es macht neugierig und vorfreudig.

Michael Wolters